Rettungslos nostalgisch

Interview: Von einem, der auszog, den Zirkus zu retten. Vor 23 Jahren gründete Bernhard Paul den Circus Roncalli. Freunde und Feinde erklärten ihn für verrückt. Heute ist Roncalli Garant für volle Häuser - und Bernhard Paul ein Zirkusdirektor, der davon träumt, sich eine heile Welt zu basteln.

Stadtleben | Thomas Rottenberg | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Herr Paul!" Die ältere Dame am Rathausplatz war empört: "Gut, daß ich Sie hier treffe. Wie können Sie nur dieses Jahr nicht nach Berlin kommen?" Der Zirkusdirektor lächelte - und ließ sich brav mit Fan und Sohn ablichten. Mit Zirkuszelt und Rathaus im Hintergrund. "Wir waren vor kurzem in Berlin, hatten über 100.000 Besucher - und trotzdem wollen die Leute, daß wir bald wiederkommen. Und da fragen Sie allen Ernstes, ob Zirkus noch in unsere Zeit paßt?"

Wenn Bernhard Paul heute auf dem Rathausplatz steht, kann er leicht selbstbewußt sein, reist er doch längst mit großem Gepäck: Zwei Sonderzüge benötigt sein Circus Roncalli, um die 150 Zirkuswagen quer durch Europa zu kutschieren. Bis Oktober macht Paul als Zirkusdirektor und Clown Zippo hier Station. 1975 verließ der gebürtige Wilhelmsburger Wien mit nur einem Koffer und der Erkenntnis, daß hier Bürokratie und Schwerfälligkeit gediegen-absolut herrschen. Davor hatte der heute 51jährige als Art-director beim profil gearbeitet


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