Zwei Barockfauteuils, Nuß

Zeitgeschichte: ÖVP und SPÖ haben sich in den Nachkriegsjahren unrechtmäßig an arisiertem jüdischem Vermögen bereichert. Jüdische Eigentümer wurden abgewimmelt, ihre Unternehmen an die Großparteien übertragen. Vor allem Druckereien und Papierfabriken, aber auch das Raimundtheater, das Dianabad und mehrere Kinos wurden von den Großparteien einverleibt.

Politik | Gerald John und Florian Klenk | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Die Beamten des Wirtschaftsbundes hatten guten Geschmack: "Da es sich um einen Repräsentationsraum des Herrn Präsidenten Julius Raab handelt, würden wir Stilmöbel, etwa Louis XVI., Barock oder eine entsprechende elegante, moderne Ausführung besonders begrüßen", schrieb ein Beamter im Oktober 1946 dem Leiter der Abteilung 3 des Ministeriums für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung. Der Abteilungsleiter bedauerte: "Es sind lediglich 2 Barockfauteuils Nuß" zu verkaufen. Wem die "Barockfauteuils Nuß" tatsächlich gehörten, geht aus der Beantwortung des Ansuchens nicht hervor. Mit größter Wahrscheinlichkeit stammten sie aus arisiertem Eigentum. Geklärt wurde die Herkunft der Möbel nie. Trotzdem wurden damit die Büroräumlichkeiten des späteren Bundeskanzler Raab ausgestattet. Schnell galt es damals die Räume von Parteien, Kammern und anderen politischen Organisationen wiederaufzubauen.

Österreich 1946. Tausende Unternehmen und ihr Inventar waren herrenlos. Die Besitzer


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