Bedient: Notstand

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Es gibt Männer, die können sich "in den Dienst stellen". So nennt man die Verwandlung des Menschen in einen Polizisten. Diese Männer dürfen dann einem ägyptischen Taxler eine Glock an die Stirn setzen und ihn "Sau-Tschusch" nennen. Sie dürfen ihm ins Gesicht schlagen und ihn anschließend wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt anzeigen, ohne deshalb etwas zu befürchten zu haben. Inspektor Alexander M. ist so ein Mann. An einem Frühlingsfeierabend düst er - roter GTI, fesche Blondine - die Burggasse hinab. Vor ihm fährt Achmed mit seinem Taxi. Zu langsam. Das verärgert den Inspektor. Er hält den Taxler an und stellt sich in den Dienst. "Fahrzeugkontrolle!" Dabei bleibt es nicht. "Warum haben Sie ihm zwei Faustschläge versetzt", fragt die Richterin. "Ich habe mich im 'Notstand' befunden und gemäß Paragraph 9 Waffengebrauchsgesetz meine Fäuste eingesetzt", begründet der Inspektor. Auch der Ägypter - er glaubte nicht einen Polizisten vor sich zu haben - wehrt sich: Er nimmt seinen Wagenheber und schlägt auf den GTI des Polizisten ein. Vorher reißt er ihm das Goldketterl (14 Karat Gold, 14.000 Schilling) runter. Schwerer Tabubruch. Der Polizist zieht seine Glock und hält sie dem Ägypter mit den Worten: "Ich brenn dir eine auf, du Sautschusch" an die Stirn. "Wir haben gedacht, ein Wahnsinniger", erinnert sich ein Zeuge. Der Ägypter wird anschließend verhaftet und 12 Stunden festgenommen. "Bist du narrisch", seufzt die Richterin, "da kommt so ein Irrer und zeigt seinem Puppimausi, wie man einen Ausländer aufmischt. Ich hätt' ihm den Wagenheber auf den Schädel gehaut." Der Ägypter wird wegen Notwehr freigesprochen. Der Beamte versieht - ohne bestraft worden zu sein - weiter seinen Dienst bei der Polizei. Hoffentlich ohne Notstand.


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