Club der geilen, alten Männer

Medien-Literatur: Hellmuth Karaseks Roman über den "Spiegel" enthüllt fast alles und erklärt nichts.

Medien | Uwe Mattheiss | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Ein Mann rechnet ab mit einer Firma, der er ein gutes Drittel seines Lebens geopfert hat. Hellmuth Karasek war von 1974 bis 1991 verantwortlicher Redakteur im Kulturressort des Spiegel und stand danach dem Blatt bis 1996 als "Edelfeder" zur Verfügung. Nach seinem unrühmlichen Abgang - seine Nachfolger hatten eine Karasek-Geschichte über den Münchner Filmregisseur und Freund Helmut Dietl abgelehnt - holte der 64jährige noch einmal weit aus und schmetterte im wiedergewonnenen jugendlichen Zorn eine 429-Seiten-Breitseite gegen den Spiegel. Der Titel ahnungsvoll dräuend wie ein Kassenrenner von John Grisham: "Das Magazin". Einer, der "dabei" war, erzählt, wie es damals wirklich war. Glasnost im Glaspalast an der Brandstwiete, Enthüllung den Enthüllern?

Ein solches Buch war überfällig. In der literarischen Aufarbeitung bundesdeutscher Mediengeschichte ist in der Tat noch ein Platz frei. Heinrich Bölls "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1974) und Günter Wallraffs Recherchenband


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige