Presseschau

Medien | Andreas Dusl | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Seit Samstag weiß es auch der kleine Mann. Dieses Dings da, dieses Internet kann etwas, was die Leibzeitung nicht kann. In diesem ... ja genau: Internet kann man nicht nur surfen, Schweinekram anschauen und Briefbombenbauanleitungen studieren. Dort kann man seit Freitag auch gaaanz, gaaanz geheime politische Informationen lesen. Noch bevor sie am Samstag seriös in der Zeitung stehen. Im Internet können wir, wie Kurier-Ohrwaschelautor GeKo besorgt enthüllt, wie 340.000 andere minütlich auch, den Bericht des Sonderermittlers lesen, uns an "oralen Enthüllungen delektieren, über pikante G'schichterln mit Zigarren schmunzeln und uns den Befriedigten vorstellen, wie er gerade mit Kongreßabgeordneten telefoniert". Gerade wegen des voyeuristischen Charakters der Welt sollten wir nicht vergessen, daß "wir dadurch selbst zu einem Teil der öffentlichen Bloßstellung werden, Ankläger, Zeugen und Richter in einer Person sind". Pfau, was dieses Internet nicht alles kann! 340.000 hartnäckige Starrs, meineidige Lewinskys und ungnädige Richter hervorbringen. In der Minute! Nur seriöse Verteidigung, so scheint's, bringt dieses Internet keine auf den Plan.


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