Kommentar: Wie gnadenlos ist der Holocaust-Kitsch?


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

"Es gibt", so schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Beitrag für die Zeit vom 3.9.1998, "autobiographische Darstellungen des Überlebens von Kindern und Jugendlichen aus dem Holocaust, bei deren Lektüre der Atem stockt, die den Blick in den Abgrund freigeben, die nicht nur durch ihre Authentizität, sondern durch ihren literarischen Rang beeindrucken." Gemeint ist Benjamin Wilkomirskis Buch "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948", das 1995 im Jüdischen Verlag erschienen ist und das versucht, jene Kindheit zwischen Vernichtungslager, Waisenhaus und Pflegeeltern zu rekonstruieren, aus der dem Autor nicht einmal der eigene Name, geschweige denn so etwas wie eine eigene Biografie geblieben war.

Das war einmal. Recherchen der Schweizer Weltwoche zufolge hat Wilkomirski seine jüdische Kindheit nämlich erfunden, und was Benz noch als eine Darstellung galt, "die dem Leser nachvollziehbare Einsichten in die komplexe Tragödie des Holocaust vermittelt wie kaum ein anderes Dokument",

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