"Purismus liegt mir fern"/"Lola rennt": Liebling der Saison

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Der Verlockung, den Titel gleich in die schriftlichen Überlegungen zum Film einzubauen, kann man sich nur schwer entziehen. "Lola rennt riesig" könnte man zum Beispiel sagen: In der BRD spielte der Film seine Produktionskosten bereits ein, wurde er für den Europäischen Filmpreis vorgeschlagen und führt die Kinobestenlisten an.

Daß das Wortspiel so gut funktioniert, ist kein Zufall. Der Film ist in jeder Hinsicht kalkuliert: I ihm geht es darum, daß eine Ausgangssituation nacheinander drei leicht unterschiedene Handlungsabläufe nach sich zieht. Lola (Franka Potente) erhält einen verzweifelten Anruf ihres Freundes Manni (Moritz Bleibtreu), dem 100.000 D-Mark abhanden gekommen sind und dem genau zwanzig Minuten Zeit bleiben, diese Summe wieder aufzutreiben. Der rote Telefonhörer fliegt in Zeitlupe und in Großaufnahme durch die Luft, und die rote Lola rennt los, um Manni vor noch Schlimmerem zu bewahren. Dreimal die gleiche Route, dreimal mit kleinen, aber entscheidenden Abweichungen.


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