Bittersüße Zuckerln

Kunst: Die Kunstwerke des kubanisch-amerikanischen Künstlers Felix Gonzalez-Torres dürfen gelutscht werden.

Kultur | Patricia Grzonka | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Kein Künstler hat eine so süße Metapher für Begehren und Verlust gefunden wie Felix Gonzalez-Torres mit seinen Zuckerlhaufen, die verzehrt werden können. Einer dieser Zuckerlhaufen heißt "Ross" und ist Gonzalez-Torres' 1991 an Aids verstorbenen Freund dieses Namens gewidmet. Es hat allerdings nichts Kannibalistisches, eher etwas Eucharistisches an sich, wenn man während des Bonbon-Lutschens an Ross denkt und spürt, wie dieses Ding im Mund immer weniger wird.

Felix Gonzalez-Torres selbst ist 1996 mit 38 Jahren an Aids verstorben. Aber obwohl die Zuckerlhaufen - etwa auch in Analogie zum englischen "sugar" für Drogen/Heroin - einen bittersüßen Nachgeschmack hinterlassen, ist das Erzeugen von starken Emotionen in den meisten Arbeiten neben einem strengen konzeptuellen Zugang eher zweitrangig.

Denn Gonzalez-Torres hat vor allem einen neuen Werkbegriff eingeführt, was sich nun anläßlich der ersten größeren Werkschau des Künstlers in Österreich, die vom Museum moderner Kunst gemeinsam


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