Stadtrand: Geständnis

Stadtleben | aus FALTER 38/98 vom 16.09.1998

Ich bin schuld. Schuld daran, daß Jerry Hall letzte Woche nicht zur Eröffnung des Hämmerle-Shops auf der Mariahilfer Straße gekommen ist. Schuld daran, daß 500 Fans vergeblich auf Mick Jaggers Frau warteten. Schuld daran, daß Kollege Marcus Johst vergeblich von Hamburg nach Wien reiste, um Frau Hall zu interviewen. Schuld, daran ... ach, geschenkt.

Obwohl ich es versprochen hatte, war ich nämlich nicht dort, sondern saß - zufällig - vis-à-vis bei Paolo Bortolotti, dem besten Eissalon Wiens, schaute mir die Menschenmasse vor Hämmerle an und hatte überhaupt kein schlechtes Gewissen. Weil ich nicht wußte, daß PR-Menschen nicht lügen, wenn sie so tun, als würden Kaufpromi-Events ohne mich nicht funktionieren. Das lustigste an Society-PR ist nämlich das Fax- und Telefonspiel "davor". Zwei Monate vorab die erste Einladung, zwei Stunden vor dem Start der letzte Anruf: Menschen, die mich in freier Wildbahn nicht einmal grüßen, kriechen und flehen, daß man doch kommen möge. Das sei sooo wichtig. Und die Einladenden würden sich sooo freuen. Ganz bestimmt. Im Fall von Jerry habe ich einfach gelogen. Weil sie mir egal ist. Und weil "Ja" sagen und nicht kommen am einfachsten ist: Das merkt ohnehin keiner. Dachte ich zumindest.

Aber Jerry Hall kam auch nicht. Wohl meinetwegen. Und das tut mir jetzt echt leid. Beinahe. T. R.


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