"N" für Ne–mci

Reportage: "Die Behm haben alles verludert", sagt eine alte vertriebene Znaimerin. 50 Jahre nach der Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland sind Tschechen und Sudeten noch immer nicht versöhnt.

Politik | Gerald John und Florian Klenk / Letohrad | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Jaroslav Tschöppan, ein gemütlicher Mann mit dichtem weißem Bart, steht in seinem Atelier im tschechischen Dorf Letohrad und malt seit Jahren immer dasselbe Motiv. Alte Frauen mit Hakenkreuzen auf dem Rücken, gepfählte Kinder, Massenerschießungen. Im Vordergrund lümmelt ein besoffener Soldat in tschechischer Uniform. Auch die Kulisse von Tschöppans brutalen Bildern ist immer dieselbe: der heute so friedlich dahinschlummernde Marktplatz von Letohrad.

Seit 30 Jahren beschäftigt den Maler nur ein Thema: die Vertreibung und Ermordung seiner Nachbarn. "Hier unten", sagt Tschöppan und zeigt auf die Geleise, die neben seinem Garten verlaufen, "wurden sie in Viehwaggons zusammengepfercht und abtransportiert." Auf einem schmalen Feldweg hinter dem Haus, erinnert sich der Maler, "haben Soldaten einem Deutschen eine Kette um die Beine gelegt und ihn mit den Pferden so lange gezogen, bis er tot war".

Tschöppans Vater war Deutscher. Seine Mutter Tschechin. Deswegen durfte der Maler in Letohrad


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