Bedient: Papaburli

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Christoph. Spitznamme Winnetou. 22 Jahre. Gymnasium. Abendgymnasium. Maturaschule. Lehre. Möbelverkäufer. 10.000 brutto. Wohlerzogen, wohlgenährt, der Anzug spannt, das Haar nach rechts hinten gescheitelt. Gepflegte Aussprache. Papaburli. "Wir sind voll geständig", sagt der Verteidiger. Vor zwei Jahren wurde Christoph von seiner Freundin verlassen. Robert füllte die Lücke. "Mit Videoabenden, Computerspielen und so", sagt Christoph. Robert verkauft Ecstasy. Ein schicker Mann, schwarz angezogen, mit Designerbrillen und Handschellen. "Ein schlechter Freund", sagt der Richter. Robert fuhr auf Urlaub und bat Christoph, auf Raves Ecstasy zu verkaufen. "Sie haben nichts verdient dabei, wieso tun Sie so was?" "Freundschaftsdienst. Ich habe mich überrollen lassen." "Waren Sie selbst süchtig?" "Nein." "Warum nicht?" "Weil ich keine Drogen nehm'!" "Warum nicht?" "Weil es ungesund ist! Das hat mir schon mein Papa gesagt." Papa - alter Mann, Trachtenjacke, Tränen in den Augen - nickt. "Eben! Aber andere Leute reiten Sie ins Unglück!" Die Schöffen nicken. "Hier stehen wir am Anfang der Drogenspirale", sagt der Staatsanwalt und wirbelt mit seinem Finger in der Luft. "Weiß Ihr Arbeitgeber davon?" "Ja, aber er hat mir verziehen." "Wir sind hier die Suchtgiftabteilung, aber so einen dummen Jungen wie Sie haben wir noch nie erlebt. Wissen Sie, was auf diesen Blödsinn steht?" Christoph nickt. 15 Jahre stehen auf diesen Blödsinn. "Was sollen wir mit Ihnen jetzt machen, was stellen Sie sich vor?" Zwanzig Minuten ziehen sich die Schöffen zur Beratung zurück. "Sie brauchen einen kleinen Haftschock, um auf andere Gedanken zu kommen. Auch wenn ich sicher bin, daß Sie nicht mehr dealen. Die Öffentichkeit würde es nicht verstehen, wenn Sie frei gehen." 18 Monate Haft.


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