Kommentar: Weißbuch Kultur: Rubbeln für den Film


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Nun liegt es also vor, jenes Papier, das offiziell eigentlich "Diskussionsentwurf der Arbeitsgruppe im Bundeskanzleramt zum Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik in Österreich" heißen müßte. Mit dem fertigen Weißbuch, das Anfang nächsten Jahres als Lose-Blatt-Sammlung der Bundesregierung vorgelegt werden soll, wird das vielgeschmähte Duo Klima/Wittmann dann endlich zu seinen kulturpolitischen Grundsätzen gefunden haben.

Glaubt man den Reaktionen in den Medien, dann stellt bereits der Entwurf den Beginn einer neuen Ära dar, deren Lichtstrahlen die Finsternis des Kreiskyanismus vertreiben: Der Standard sieht die sozialistische Siebziger-Jahre-Politik von Kreisky & Cap beendet, und auch der Kurier befindet, daß die Symbiose von Kunst und Sozialdemokratie (Geld für ideologischen Aufputz) nicht mehr funktioniert: "Das darf man sagen, obwohl Haider es auch sagt. Es ist nämlich die Wahrheit." Ja, dann!

Wo also liegt der entscheidende Paradigmenwechsel? Zunächst einmal in den Rahmenbedingungen

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