"Ich war kein Chorknabe"

Kunst: Der Aktionist, Zeichner und Autor Günter Brus wird 60. Ein Gespräch über österreichische Kunstkritik und internationale Anerkennung, Hermann Nitsch und Otto Mühl, die "Hoppala-Nation" und die Kanonenzeitung.

Markus Wailand | Kultur | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Die Beziehung von Günter Brus zu Österreich kann als durchaus wechselvoll beschrieben werden: Bei seinem "Wiener Spaziergang" 1965 wurde er verhaftet, weil er weißbemalt als lebendiges Bild durch die Innenstadt gegangen war. 1968 folgte die Verurteilung zu sechs Monaten verschärften Arrest wegen "Herabwürdigung österreichischer Symbole" und "Verletzung der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit" - Brus hatte sich im Rahmen der Veranstaltung "Kunst und Revolution" (u.a. mit Otto Mühl, Peter Weibel und Oswald Wiener) im Hörsaal 1 der Uni Wien unter anderem mit seinem Kot beschmiert, seinen Urin getrunken, onaniert und dazu die Bundeshymne gesungen. Nach dem von der Wiener Boulevardpresse ausgelösten Proteststurm und der Verurteilung flüchtete Brus mit seiner Familie nach Berlin, wo er mit Oswald Wiener und Gerhard Rühm die "Österreichische Exilregierung" gründete und die Zeitschrift Die Schastrommel herausgab. 1970 führt Brus seine letzte Aktion, die "Zerreißprobe", durch und arbeitet

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