So grün war der Herbst

Film: Mit "Herbstgeschichte" beschließt Eric Rohmer seinen Zyklus "Vier Jahreszeiten": Zwischen sonnendurchfluteten Bildern und berührenden Begegnungen gibt es auch viele, mitunter zu viele Worte.

Kultur | Christian Cargnelli | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Die Größe der wahren Kunst", schreibt Marcel Proust in "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", "lag darin beschlossen, jene Wirklichkeit, von der wir so weit entfernt leben, wieder zu finden, (...) jene Wirklichkeit, ohne deren wahre Kenntnis wir am Ende noch sterben und die doch ganz einfach unser Leben ist."

Eric Rohmer versucht seit fünf Jahrzehnten beständig, sich dieser Wirklichkeit anzunähern: als Kritiker der Cahiers du Cinéma, als einer der "Gründungsväter" der Nouvelle vague und mit einem filmischen Werk, das mittlerweile neben einer Reihe von Kurzfilmen 20 lange Kinoarbeiten umfaßt. Rohmers Filme sind zu Kinematographie gewordene Literatur, wortreiche Versuchsanordnungen mit dem Ziel, in den Mikrokosmos der Gefühle vorzudringen und ihn zu erforschen: Begehren, Sehnsucht, Einsamkeit, Eifersucht, das Individuum im Widerstreit zwischen Hingabe und Autonomie.

Rohmer hat diesen Kanon mehrmals zu Filmzyklen zusammengefaßt. Mit den "Moralischen Geschichten" (1962-72) gelang


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