Aufgeblättert

Kultur | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Zugegeben, ich bin nicht wirklich Comics-Leser. Aber dann stand eines Tages ein sympathisch verstrubbelter junger Mann in der Redaktion, der angeblich Uwe Jäntsch heißt, mir ein Heftl in die Hand drückte und meinte, falls ich Gefallen daran fände, könnte ich ja darüber schreiben. "Der silberne Surfer" ist ein reichlich bizarres Art-brut-Comic, in dem Hochhäuser, Polizisten und eine Gießkanne vorkommen.

Ansonsten sieht alles ein bißchen nach Abschlußdiplom in gastroskopischer Fotografie aus. Nie und nimmer lassen sich die Bilder zu einer schlüssigen Handlung zusammensetzen, und die Zentralperspektive hat sowieso das Nachsehen. Sehr charmant auch die Sprechblasen: "Ich habe Sie mit Ihrer Frau betrogen. Ich habe Fotos" - dies die Worte der Gießkanne. Verrückt!

Uwe Jäntsch: Der silberne Surfer. Wien 2, Komödiengasse 33/2/19 (Fax 718 51 94).

Auch bei Nicolas Mahler muß man sich ganz schön anstrengen, um die abstrahierten Figuren (sie erinnern an die Kakteendarstellungen moderner mexikanischer Metallplastiker) entschlüsseln, vor allem aber die winzigen Texte entziffern zu können. Gut hat mir gefallen, wie in "Du Falott, Baby!" der Dubel-Vater den Dubel-Sohn aufklärt und der ganz erleichtert ist, daß Dubels aus Plastilin geknetet werden und keinen Sex haben müssen. Lieblingsszene in der (melo-)dramatischen Rennfahrergeschichte "Lone Racer": Der Held lernt an der Supermarktkassa eine Frau kennen, mit der er "vieles gemeinsam" hat. Das Bild darunter zeigt ein Förderband voller Flaschen; fragt die Kassiererin: "Gehört das noch zu Ihnen oder schon zur jungen Frau?" K. N.

Nicolas Mahler: Lone Racer & Du Falott, Baby! Beide: Edition Brunft (15., Friesgasse 9/2; E-Mail: nicolas-mahler@blackbox.at), je öS 40,


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