Die Prüfung der Wörter

Literatur: Wie kann man für sich und doch zusammen sein? Dieser Frage geht Milan Kunderas jüngster Roman "Die Identität" nach, eine literarische Versuchsanordnung, in der die existentiellen Codes zweier Liebender untersucht werden.

Kultur | Bernhard Fetz | aus FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Vielleicht wird, irgendwann einmal, der genetische Code geknackt sein. Ob damit auch die Frage nach dem "existentiellen Code" zum Stillstand kommt? Werden wir uns dann den Glücksanzug überziehen, um in ewiger Jugend, befreit von der Last des Körpers, im medialen Nirwana dahinzusegeln? Noch ist die Steuerung physiologischer Prozesse über weite Strecken ein Rätsel. Ein Rätsel ist auch, warum zwei Menschen, die sich lieben, sich genau so verhalten, daß ihr Zusammenleben unerträglich wird.

Für Milan Kundera ist der Roman ein Labor, in dem der existentielle Code der Figuren untersucht wird, was "letztlich auf die Prüfung einzelner Wörter, Wörter als Themen, hinausläuft". (Kundera in einem Gespräch, das im Band "Die Kunst des Romans" abgedruckt ist.) Die Leichtigkeit, der Scherz, das Lachen, das Vergessen, die Langsamkeit und jetzt - die Identität: Schon mit den Titelwörtern seiner Romane hat Kundera im Laufe eines Schriftstellerlebens den Kreis existentieller Situationen ein beträchtliches


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