Standpunkt: Ans Rad gepinkelt

Politik | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Die "Fiaker- und Pferdemietwagenfahrdienstprüfungsverordnung" wird also vom Magistrat geändert. Vorbestrafte Kutscher sollen ab 1. Oktober nicht mehr die Zügel ziehen. "Eine Maßnahme", die laut Fiaker-Innung dazu dient, "daß dem Fahrgast nichts passiert." Vorbestrafte Kutscher haben angekündigt, vor dem Rathaus gemäß ihrem Theresianischen Privileg an das Hinterrad der Fiaker zu pinkeln. Recht so. Die Wiener Provinzposse ist nicht lustig. Sie zeigt, wie bereitwillig Magistrat und Landesregierung die Wünsche der Wirtschaft umsetzen. Wie sich hier Innung und Magistrat scheinheilig auf ein Packel hauen, um lästige Mitbewerber auszuschalten, ist bedenklich. Natürlich sagt eine Vorstrafe nichts über die Fahr- und Wienkenntnisse eines Kutschers aus. Jeder Beamte weiß das. Seit Jahrzehnten ist kein Tourist von einem Fiaker entführt oder ausgeraubt worden. Doch um Sachlichkeit ging es der MA 7 von Kulturstadtrat Peter Marboe (ÖVP) nicht. Sie wollte, mit dem vorgeschobenen Argument des Konsumentenschutzes, das Geschäft vor Störenfrieden schützen oder mindestens den Fiaker-Arbeitsmarkt bereinigen. Auf Kosten von Leuten, die erfolgreich ihre Resozialisierung geschafft haben. So pinkelt man Menschen in die Biografie. Ob Hinterradbrunzen ein probates Gegenmittel ist, wird sich zeigen. F.K.


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