Bedient: Gib Gummi

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Ein bulgarischer Student und Radbote fährt nachmittags bei Rot über die Kreuzung, wird von der Polizeistreife "Adler 10" erwischt, bezahlt 500 Schilling Strafe und zeigt seinen amtlichen Studentenausweis. "Der taugt zu gar nichts", meint "Adler 10" und spricht die Festnahme aus, da der Bulgare keinen Paß dabeihat. "Vorher", so "Adler 10" im Protokoll, "notierte ich mir einige Details, wie funktionslose Glocke, fehlende Rückstrahler auf den Pedalen." Der Bote wird auf das Polizeikommissariat gebracht, von den Beamten mit "Bulgaren sind Idioten", beschimpft und gegen das Schienbein getreten. Nach der zweistündigen Amtshandlung wird er freigelassen. Das Fahrrad, das vor dem Kommissariat abgestellt wurde, hat plötzlich einen aufgestochenen Hinterreifen. Der Bote kehrt zurück, will Anzeige erstatten und wird verwarnt. "Wenn du gegen einen von uns Anzeige erstatten willst, mußt du mit Konsequenzen rechnen!" Der Bote will trotzdem anzeigen. Schreiduelle. Festnahme. Abführen in den Keller. "Im Kellergeschoß wurde ich aufgefordert, mich komplett zu entkleiden sowie Ring, Ohrring und Brille abzugeben. Der Beamte baute sich mit gespreizten Beinen vor mir auf und zog sich grüne Gummihandschuhe an." Die Polizisten bestreiten das im Protokoll nicht. "Da sich der Bote weigerte, die Brille und das Flinserl abzunehmen, wurde versucht, ihm diese abzunehmen." Warum, wird nicht erklärt. Ein anderer Beamter machte sich nützlich: "Ich begab mich in den Arrest", um den "Festgenommenen in entkleideter Form mit Turnschuhen und mit angelegten Handfesseln auf dem Rücken nach den Personaldaten zu befragen." Anschließend wird der Bote in die Gummizelle gesperrt und um 23 Uhr wieder freigelassen. Strafe muß sein.


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