Ein Fall von Ersprechen

Theater: Der steirische herbst und das Stadttheater Klagenfurt wurden am Wochenende mit Stücken von Alexander Widner und Gert Jonke eröffnet.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Zwei Männer ersprechen sich die Welt. Der eine redet ununterbrochen, um seinen Mitmenschen die Welt zu erklären. Der andere muß ununterbrochen reden, um sich die Welt zu erklären. Für den einen, Sergej Kron, ist die Welt ein Kinderspiel, bei dem er selbst die Regeln bestimmt ("If you can't eat it, fuck it!"). Für den anderen, Wildgruber, ist die Welt ein Rätsel, das er staunend durchwandert.

Sergej Kron ist die Titelfigur aus Alexander Widners Stück "Sergej", mit dem am vergangenen Samstag im Grazer Schauspielhaus der steirische herbst eröffnet wurde. Das Plakat zur Uraufführung zeigt den Hauptdarsteller in einem T-Shirt, das mit einem Udo-Proksch-Foto bedruckt ist. Über dem Bild steht: "Sergej ist nicht Proksch." Ein Witz, der nur im Sinne der Magritte-Pfeife zu verstehen ist: Zwar kann Proksch schon deshalb nicht Sergej sein, weil er derzeit unabkömmlich ist; aber daß "eventuelle Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen rein zufällig und vom Autor keineswegs beabsichtigt"


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