Ein Riß in der Seele

Literatur: In ihrem vielbeachteten und kontrovers diskutierten Bestseller "Von den Kindern weiß man nichts" beschreibt die junge italienische Autorin Simona Vinci auf verstörend nüchterne Weise eine Gruppe von Kindern, deren Sexspiele in einer Katastrophe münden.

Mirjam Jessa | Kultur | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Spätsommer. Abenddämmerung. Irgendwo in der eintönigen Ebene der Emilia-Romagna. Ein kleines Mädchen, in großen roten Boots und blauem Kleid, steht allein auf einem leeren Parkplatz, vor einem Wohnblock am Stadtrand. Es blickt auf ein Maisfeld mit hochaufgeschossenem Mais und singt vor sich hin. "Wie Kinder es machen, wenn sie traurig sind. Sie geben sich Mühe, wie bei einer Schulaufgabe, als wäre es ein Mantra, das, klar und fehlerlos wieder und wieder aufgesagt, alles Böse und alle schlechten Gedanken vertreibt."

Mit diesem Bild beginnt der - in jeder Hinsicht - gelungene Debütroman der 27jährigen Autorin Simona Vinci, ein Bild, das einem 180 Seiten lang nicht mehr aus dem Kopf geht. Daraus entwickelt sich retrospektiv die fatale Geschichte der Ferien von Martina, Greta, Luca, Matteo und Mirko. Sie sind um die zehn Jahre alt, nur Mirko, der Anführer und Drahtzieher, ist schon 15. Treffpunkt der fünf Freunde ist ein abgelegener Schuppen. Mirko packt - in Italien auch für Erwachsene

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