Tragisch und verstorben

Mythen: Die Liebeserklärung der Girl-power-Journalistin Julie Burchill an Diana bedient nicht nur fremdenfeindliche Ressentiments, sie schreibt auch den Mythos vom "Schönen Opfer" fort.

Kultur | Marlene Streeruwitz | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Sisi, Romy und Diana.

Erbarmet Euch unser.

Jetzt. Und in alle Ewigkeit.

Amen.

Spender männlicher Identitätskonstrukte ist der Held. Seit 5000 Jahren stapfen die zwei Prototypen, der Gute und der Böse, durch die Wälder, segeln über die Meere, reiten über Prärien, wirbeln durch Comics und zucken auf dem Videoschirm. Der gute alte Odysseus selbst ging dem Mann der Moderne bei seinen Abenteuerzügen in die Anonymität der nächtlichen Straßen der Großstadt voran. Der Held geht immer voran. Im Töten. Einmal im richtigen. Ein andermal im falschen. Ziel ist immer, töten zu üben. Mental oder real. Wie die Zeiten es halt verlangen.

Das Schöne Opfer Frauen sollen nicht töten. Dürfen nicht töten. Und deshalb wird Frauen die mehr oder weniger liebliche Wasserleiche als Identifikationsfigur verschrieben. Das Schöne Opfer. Weibliche Helden stammen aus der Trickkiste des Patriarchats und müssen jung und schön und edel und tragisch und verstorben sein. Und vor allem tragisch und verstorben.


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