Die das Wässerchen trüben

Neue Bar: In einem früheren Kellerloch wurde eine Kultstätte für einen Schnaps errichtet, der nach nichts schmeckt, aber gefährlich einfährt.

Stadtleben | Florian Holzer | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Die Kategorisierung in Genuß- oder Wirkungstrinker wird bei keiner anderen Spirituose so deutlich wie beim Wodka: Die angestrebte absolute Reinheit, erzeugt durch mehrmalige Kohlefiltration, bringt mit sich, daß er im Idealfall nach nichts schmeckt außer nach Alkohol. Was wiederum durch starke Kühlung und Beimischung von Fruchtsäften unterbunden wird, was einem aber nicht selten erst am nächsten Tag klar wird, wenn man plötzlich schwanger, verheiratet oder Besitzer einer Lebensversicherung ist. Wodka ist die alkoholische Wirkung pur, Genuß empfindet bei diesem Getränk tatsächlich nur, wer vorhat, sich ohne allzu schmerzhafte Nebenwirkungen zuzudröhnen.

Insoferne war es ein nicht unmutiges Bekenntnis des jungen Ronald Österreicher, seine Bar in einem Kellergewölbe in der Werdertorgasse auf diesen Drink hinzutrimmen: 32 Sorten hat er auf der Karte, hauptsächlich aus Rußland, Finnland und Polen, aber auch euro-amerikanische Smirnoffs, deutsche Gorbatschofs und kalifornische Skyys.


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