Es lebe der Zentralfriedhof

Zentralfriedhof: Sechs Monate lang war der Fotograf Kurt Kracher für das "Universum Magazin" auf dem Wiener Zentralfriedhof unterwegs und fand eine bemerkenswert lebendige Perspektive auf den zweitgrößten Friedhof Europas.

Stadtleben | Michael Hafner (Text) und Kurt Kracher (Fotos) | aus FALTER 40/98 vom 30.09.1998

Das frisch gemähte Gras glänzt grün in den Strahlen der tiefstehenden Sonne, die Büsche und Bäume am Rand der Wiese zeigen bereits erste braune Blätter. Durch ihre Zweige sind lange Reihen von Kreuzen, Grabsteinen und Laternen zu sehen. Bald werden wieder die russischen Saatkrähen zu Tausenden auftauchen und mit ihrem Lieblingsspielzeug heilloses Durcheinander anrichten: Sie fliegen mit Vorliebe ausgebrannte Grablichter spazieren und lassen sie schließlich gelangweilt irgendwo über dem Friedhof fallen. Zum Leidwesen der Gärtner. Das gigantische Areal des Wiener Zentralfriedhofs kann nur nach und nach gepflegt werden: Die Fläche von drei Quadratkilometern mit den mehr als 300.000 Gräbern läßt sich nicht restlos unter Kontrolle bringen.

Stück für Stück holt sich die Natur kleine Gebiete zurück. Immer mehr ehemalige Gräber werden nicht länger benützt, niemand zahlt für ihre Erhaltung, und es gibt nicht genug Verstorbene, um sie neu zu belegen. Die Toten lassen Platz für


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