Der Realo-Minister

Kommentar: Sein politischer Weggefährte erklärt, warum die Deutschen Joschka Fischer als Außenminister akzeptieren.

Vorwort | Daniel Cohn-Bendit | aus FALTER 41/98 vom 07.10.1998

Der Chef der deutschen Diplomatie, ohne akademische Weihen, erfahren als Taxifahrer, Streetfighter, Antiquar - und die Nation hält nicht einmal den Atem an. Im Gegenteil: Die Mehrheit von 50 Millionen bundesdeutscher Wähler hat am vorvergangenen Sonntag sehenden Auges so entschieden. Mit Bedacht und unerwarteter Deutlichkeit hat sie Helmut Kohl und seine christlich-liberale Koalition abgewählt und Gerhard Schröder zum Kanzler einer rot-grünen Koalition bestimmt. Daß auf Joschka Fischer in dieser Konstellation das Außenamt zulaufen würde, las man nicht erst nach Tisch. Es stand schon auf dem Wahlmenü.

Sind das noch die Deutschen, wie man sie kannte, ängstlich auf Stabilität bedacht? Oder muß man jetzt wieder anfangen, sich ob ihrer Sprunghaftigkeit Sorgen zu machen? Ich glaube nicht. Der Wechsel, der jetzt in der Bundesrepublik stattfindet, wurde nicht von radikalen Anwandlungen inspiriert, sondern von Akzentverschiebungen in der politischen Mitte. Ist es die Krönung des "langen


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