Ein weites Feld

Stadtplanung: Kommende Woche öffnet Wiens erster Uni-Campus. Die Verantwortlichen bejubeln die "internationale Einzigartigkeit" des Monsterprojekts. Die neue Hochschule ist ein Kompromiß zwischen amerikanischem Traum und den Bedürfnissen der österreichischen Seele.

Politik | Florian Klenk und Nina Weissensteiner | aus FALTER 41/98 vom 07.10.1998

Alles schläft. Im neuen Billa-Kobel mitten im denkmalgeschützten Campus hobelt die Wurstverkäuferin besonders langsam an der Extrawurst. Die wenigen Pensionisten, die sich bis jetzt hierher verirren, haben es nicht eilig. Zwei dicke, alte Damen stehen mit ihren dicken, alten Dackeln im ersten Hof und tratschen. Lieblich und verträumt ist es hier im Herbstschatten der Dutzenden alten Kastanien. Springbrunnen sprudeln. Kleine kläffende Chihuauas pinkeln und scharren am frisch gesäten Rasen. Zwei Bauarbeiter genießen ihr erstes Vormittagskrügerl im universitären Bräuhaus. Der dicke, grüne BMW eines Chirurgen, der im Campus parkt, wird abgeschleppt. Sonst ist hier nichts los. Noch nicht. Denn bald wird die gemütliche Wurstverkäuferin gestreßt sein. Bald werden sich hier Hunderte Studenten ihre Jausenweckerl aufschneiden lassen. Dann werden sie sich mit ihren Wurstsemmeln in den Wiesen räkeln. Und selbstverständlich studieren.

Kommende Woche eröffnet Wiens erster Campus. Mit


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige