Wächst wie Bambus

Hochhäuser: Wiens interessanteste Hochbaustelle liegt im 20. Bezirk: Der Millennium Tower soll über 200 Meter hoch werden.


Thomas Rottenberg
Politik | aus FALTER 41/98 vom 07.10.1998

Oben, auf achtzig Meter Höhe, ist die Welt ziemlich in Ordnung. Zumindest dann, wenn der Wind nicht mit 140 km/h durch den Rohbau fetzt und Frost, Regen oder Hagel die frisch betonierten Bodenplatten zu Rutschbahnen machen, an deren Rändern es ziemlich steil nach unten geht. Bei Sonnenschein dagegen ist die Welt wunderschön: Der Verkehr am Handelskai ist kaum, das Abfahrtssignal der U-Bahn gar nicht zu hören, die Donau glitzert blau bis zu Horizont und UNO-City, Andromeda-Tower und Donaucitybauten wirken am anderen Ufer schon jetzt beinahe klein. Wenn auch nicht so klein wie der Rest der Stadt. Eindrucksvoll. Wirklich eindrucksvoll. "Warten Sie mal bis Weihnachten, da kommen ja noch 100 Meter dazu", lacht Gustav Peichl - und der Architekt klingt beinahe so, als wolle er sich dabei vor Vergnügen auf die Schenkel klopfen.

100 Meter himmelwärts sind dabei noch untertrieben: Exakt 202 Meter soll der Millennium Tower in der Brigittenau nämlich hoch werden. Nicht irgendwann, sondern schon

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