Bedient: Der Lästige

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 41/98 vom 07.10.1998

Mahmoud, 56 Jahre, Österreicher, wollte den Bundespräsidenten wählen. Durfte aber nicht. Der Computer hatte ihn aus dem Wählerverzeichnis gelöscht. Mahmoud, der seit 20 Jahren im zweiten Bezirk gemeldet ist, schrieb deshalb ein Ansuchen an die Bundespolizeidirektion Wien. "Sehr geehrte Herren! Bitte korrigieren Sie diesen Computerfehler. Mit bestem Dank!" Seinem Brief legte er eine Kopie des Meldezettels bei (kurioserweise ist dieser mit einem fetten "Ausländer"- Stempel versehen, obwohl Mahmoud zum Zeitpunkt der Anmeldung schon Österreicher war). Solche Wünsche sind den Beamten des Kommissariats Leopoldgasse zuwider. Lästigkeit muß gesühnt werden. Vorladung ins Amt. Mit Geburtsurkunde und Staatsbürgerschaftsnachweis. Das wirkt, das kostet Zeit. Doch aus welchem Grund lädt man ihn vor? Ganz einfach: Der amtlich abgestempelte Meldezettel wird für ungültig erklärt. Der Lästige solle sich nochmals anmelden. Mahmoud erinnert: "Sehr geehrte Herren! Mein Meldezettel ist gültig, ich bin seit 20 Jahren gemeldet. Sie wollen doch einem Computer nicht mehr glauben als der belegten Aussage eines Menschen. Prüfen Sie alles noch einmal nach, meine Herren, die nächste Wahl hat Zeit, und ich habe es gar nicht eilig!" Den Hofräten im Kommissariat Leopoldstadt platzt der Kragen. Schnell ein Strafverfügungsformular aus der Lade: "Strafverfügung. Sie haben es unterlassen, sich innerhalb der gesetzlichen Frist von drei Tagen polizeilich anzumelden." 1000 Schilling Strafe oder 24 Stunden Haft im Polizeigefangenenhaus. Lästigkeit gehört eben bestraft.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


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