Volle Windeln und Tabellen

Kunst: Mit der Präsentation des "Post-Partum Dokument" der amerikanischen Künstlerin Mary Kelly setzt die Generali Foundation die Auseinandersetzung mit konzeptueller Kunst aus den siebziger Jahren fort.

Kultur | Meike Schmidt-Gleim | aus FALTER 41/98 vom 07.10.1998

Ich bin keine ,feministische Künstlerin', sondern eine Künstlerin, die durch den Feminismus informiert ist. Sie würden Hans Haacke ja auch nicht als ,marxistischen Künstler' bezeichnen, oder?" Mary Kelly nimmt es mit der Formulierung sehr genau. Denn sie vertritt eine präzise Position, die sie sich seit den siebziger Jahren in steter Auseinandersetzung mit Kunst und deren theoretischen wie gesellschaftlichen Grundlagen erarbeitet hat. Feministin zu sein ist ihr sehr wohl wichtig - nur die Idee einer Frauenkunst lehnt sie ab, weil diese wieder auf eine Essentialisierung von Weiblichkeit hinausliefe: "Ich bin überzeugt, daß es so etwas wie eine spezifisch weibliche Perspektive nicht gibt. Es kann also auch keine ,weibliche' Kunst geben. Für mich ist ,Frau' eine soziale Konstruktion."

Weiblich ist dann ein Attribut, das auch mal dem männlichen Künstler zukommen kann, denn es bezeichnet schlicht das andere - gleichermaßen wie Außerirdische, Schwarze oder Kommunisten in Hollywoodschinken:


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