Neue Platten

Kultur | aus FALTER 41/98 vom 07.10.1998

JAZZ Vienna Art Orchestra: American Rhapsody. A Tribute to George Gershwin.

RCA Victor / BMG Seit geraumer Zeit tut sich das Vienna Art Orchestra in Sachen Klassikpflege hervor: Ellington, Mingus oder Dolphy waren schon dran, Wagner und Verdi dienten der Inspiration, kommt halt jetzt - rechtzeitig zum Hundertsten - George Gershwin. Es gibt Dinge, die läßt man besser bleiben - Remakes von Screwball comedies gehören z.B. dazu. Oder Neuarrangements von "Rhapsody in Blue". Statt des Klaviers übernimmt Wolfgang Muthspiels Gitarre den Solopart, und eine dick besetzte Saxophon-Section macht klar, daß es hier um echten Jazz geht (Gershwin selbst war ja bekanntlich kein richtiger Jazzer). Da drängelt sich eine Trompete in den Vordergrund (sehr jazzig phrasiert), dort werden Kontraste verschärft, ein paar Synkopen eingehängt, wird ein Solo abgeliefert. Shirley Horns Auftritt im Trio-Format wurde von V.A.O.-Mastermind Mathias Rüegg ganz "naturbelassen" ins Album gerückt: reduziert, jenseits aufdringlicher Brillanz, darauf vertrauend, daß der Song als solcher trägt. An diesem Vergleich wird dann auch die bemühte Theatralik des vorhergehenden "My Man's Gone Now" offensichtlich: Anna Lauvergnac interpretiert den Song mit brüchigem Pathos. Dennoch ist "American Rhapsody" nicht einmal gescheitert; es ist bloß eines jener Jubiläumspräsente, über die Konrad Heidkamp in der Zeit schrieb: "Den Schenkenden schmücken sie, der Beschenkte kann sich nicht mehr wehren." K. N.


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