Depressionen im Herbst

Kommentar: Als "Rattenfänger" hat Wolfgang Zinggl den Theateraktivisten Christoph Schlingensief im "Falter" bezeichnet. Eine Replik.

Carl Hegemann | Vorwort | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

Wolfgang Zinggl ist depressiv, traurig, und langsam ist ihm "auch zum Heulen". Schuld an seinem desolaten Zustand ist zum einen der Herbst - "naßgrau ist es draußen, und die Abende werden immer länger" -, zum anderen aber auch Christoph Schlingensief und dessen Freunde und Feinde, die sich allesamt in einem fürchterlichen theatralischen Leerlauf bewegen: überflüssig, lächerlich, schädlich und insgesamt mindestens so unerträglich wie Hermann Nitsch "mit seiner reaktionären Kunstauffassung". Das mußte mal raus, und ich wünsche Zinggl, daß es ihn erleichtert hat.

Dieser Rundumbefreiungsschlag ist der nachvollziehbare Versuch, eine Metaebene zu finden, und insofern ganz im Sinne Schlingensiefs. Dessen Forschungsprojekt Chance 2000 - mit Theater, Partei, multinationalem Konzern und seit neuestem als nichtterritorialer Staat organisiert - ist ja gerade dazu da, Depressionen in Energie zu verwandeln und unsere Festgefahrenheit in sinnentleerten Routinepraktiken zu bekämpfen. Tränenblind

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