Politik des Stillstands

Kommentar: Rußlands Regierungschef Primakow ist beliebt, doch die Regale sind leer, die Devisen aufgebraucht. Kommt ein neuer Reformschub?

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

In einem Punkt sind sich alle russischen Gesprächspartner einig: Die Monate vor dem ominösen 17. August, an dem die Banken krachten, waren die besten, die Rußland seit langem gehabt hat. Zumindest im privilegierten Moskau schien für eine wachsende Mittelschicht das ersehnte "normale Leben" einer westeuropäischen Durchschnittsfamilie zum Greifen nahe. Sergej Kirijenko, der junge liberale Regierungschef, wurde zum Symbol des erhofften Reformschubs gegen den alten Filz aus Staatsbürokratie und millionenschwerer Oligarchie.

Doch dann kam der Sturz des Rubel, und Rußland war bankrott. Seither wähnt man sich in einer Zeitmaschine: Der kranke Präsident erinnert traurig an Leonid Breschnew; Ministerpräsident Primakow ist zwei Jahre älter als Jelzin und kommt aus dem Stall des KGB. Und selbst in den Moskauer Geschäften sind die Regale wieder leer.

"Die Demokraten machen heute die gleiche grausige Entdeckung wie einst Lenin am Ende seiner Jahre." Vitaly Tretjakow, der scharfsinnige Chefredakteur


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