Die Farben des Herbstes

Bauskandal: Seit den jüngsten Kontrollamtsberichten steht fest: In Wien gibt es ein Baukartell großen Stils. Schuld daran ist niemand.

Politik | Gerald John | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

Johann Hatzl trägt sie wieder. In den Farben des Herbstes ist das gute Stück gehalten, Braun, Gelb und Dunkelrot. Hatzl zieht die Weste mit dem Burlington-Muster immer dann an, wenn er Aufgeschlossenheit demonstrieren will. Auf SPÖ-Klubklausuren zum Beispiel. Oder bei seinen Auftritten letzte Woche. Da mußte der SPÖ-Klubobmann einige Male über seinen Schatten springen: "Ja, es gibt ein Baukartell im großen Stil", sprach Hatzl, "ja, die SPÖ ist für Untersuchungsausschüsse."

An beides wollte der Klubchef nie glauben. Bekehrt hat den Ungläubigen ein vom Wiener Kontrollamt angefertigtes, rund tausend Seiten starkes Dossier. Die Kontroller wiesen nach, daß beim Straßen-, Gleis- und Kanalbau in zahlreichen Fällen Preise abgesprochen und Abstandszahlungen geleistet wurden. Auch beim U-Bahn-Bau stießen die Magistratsschnüffler erstmals auf Malversationen. Beim Baulos U3/18 enttarnte das Kontrollamt Rechnungskonzepte als "Scheinrechnungen", die zur "Tarnung einer Abstandszahlung"


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