Stadtrand: Her mit den Nummern

Stadtleben | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

"Werbe"spot, gesehen im US-Fernsehen: Mitten in der Nacht läutet bei einer alleinstehenden Frau das Telefon, ein Stöhner ist am Rohr, der (nach ein wenig Stöhnen) auf ihre bereits leicht panische, weil wiederholte Frage "Who is it?" antwortet: "Why don't you guess." Worauf sie auf den Knopf eines Kästchens neben ihrem Telefon drückt, die Nummer des Anrufers aufscheint, sie "555-4876. Close enough, asshole?" sagt und auflegt.

Zugegeben, auch bei uns telefonieren nicht immer nur Menschen, die etwas zu verbergen haben. Trotzdem ist es irgendwie merkwürdig, daß der Sturm der Entrüstung so groß war, als die Post ankündigte, per 1. November allen ISDN-Teilnehmern die Nummer des Anrufenden zu zeigen. Gab es da nicht einmal das Gerücht, daß es ohnehin zum Standardrepertoire halbwegs zivilisierter Menschen gehören sollte, sich am Telefon auch zu vorzustellen, damit der Angerufene freundlicherweise weiß, mit wem er es zu tun hat? (Was sich noch immer nicht ganz herumgesprochen hat, aber wie gesagt: halbwegs zivilisiert.)

Eigentlich könnte man mit denselben Argumenten (Mißbrauchsgefahr) morgen gleich das Kennzeichen von seinem Auto abschrauben. Anhand dessen könnte man ja auch identifiziert werden. Wenn man böse Sachen macht. S.N.


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