Comandantina Dusilova: Mützen statt nützen

Stadtleben | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

Ganz wenige Dinge gibt es, die zu zweit mehr Spaß machen als alleine. Meist geht es bei diesen Dingen um Austausch. Zum Beispiel um Pullovertausch. Oder um Gartenmöbeltausch. Oder um den Austausch von Körperflüssigkeiten. Gibst du mir deine, geb' ich dir meine und so weiter. Ausgetauscht werden kann vielerlei, sogar Gedanken. Telepathisch unbegabte bedienen sich hierbei der Sprache. Sie ist ein vernünftiges Schnittstelleninstrument zum Denkdatenaustausch. Sprache geht in Echtzeit, also jetzt. Oder wie diese Kolumne in Unechtzeit, was bedeutet, daß Sätze, die ich mir ausdenke, nach dem Passieren vielerlei Schnittstellen wie Tastatur, Mac, Modem, Teleweb, Internet, Blackbox, Sigridmodem, Sigridmac, Wurmetastatur schließlich in der Korrektur landet und dort von rechtschreibkundigen Schnittstellenverantwortlichen zurechtgeschrieben wird. Auf seltsamen Wegen findet das Geschreibsel schließlich das Licht der Öffentlichkeit. Tage später. Wenn alles zu spät ist. Wenn diese Gedanken unaufhaltbar fortgedacht sind, wenn die Flamme der Jetztkerze am Danndocht erstickt ist, wenn der Tau auf den Gefühlswiesen des Freitagistmontag vom steilen Licht des Mittwochs aufgetrocknet ist. Was ich damit meine? Ich würde jetzt viel lieber mützen.


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