Sensengasse 2

Gerichtsmedizin: Zwei Drittel aller Wiener werden vor ihrem Begräbnis obduziert. 3500 davon im Gerichtsmedizinischen Institut. Dort rekonstruiert Christian Reiter die letzten Minuten vor ihrem Tod.

Stadtleben | Florian Klenk | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

Wenige Tage vor ihrem fünfzigsten Geburtstag wurde die Wirtin Martha K.1 mit nacktem Oberkörper an einem entlegenen Ufer des Wienflusses aufgefunden. Ihr Gesicht lag im Wasser und war aufgeschunden. Daneben, feinsäuberlich gefaltet, Marthas Kleidung. Eine blaue Trainingshose, ein Paar alter Turnschuhe und ein BH. Marthas Schäferhund bewachte den leblosen Körper. Die Wirtin mußte bereits einige Stunden im Wasser gelegen sein, als sie ein Spaziergänger zufällig entdeckte. Über die Hundemarke, in die Marthas Adresse eingraviert war, konnte die Identität der Toten schnell festgestellt werden. "Fremdverschulden fraglich", schrieb die Polizei in den Bericht, den sie der Justiz übermittelte, weshalb die Leiche von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und auf richterliche Weisung ins Gerichtsmedizinische Institut, Sensengasse 2, zur Klärung der Todesursache überstellt wurde.

Sensengasse 2. Vor der Türe des schäbigen Hauses im neunten Bezirk warten die schwarzen Leichenwagen der Bestattungsfirmen.


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