Phettbergs Predigtdienst: Sterbebegleitung unter Pabst-Bann!

Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie berühren ... Weish 3,1-9 (1. Lesung an Allerseelen)

Stadtleben | aus FALTER 44/98 vom 28.10.1998

Unternalb war kein friedliches Dorf, als ich aufwuchs in ihm. Es hatte Gänse. Heerscharen von Gänsen. Alle meine Wege führten durch das friedlichste Gäßchen der Welt. Wäre die Pferdeschwemme nicht gewesen, wäre diese Gasse das Paradies gewesen. Doch dem Quittenbaum gegenüber lag die Pferdeschwemme. In der aber ganz selten Pferde badeten, dafür Gänse sonder Zahl. Und diese Scheusale hatten nichts anderes zu tun, als mich die ganze Kindheit hindurch zu jagen und zu hetzen. Mit Gekreische und gereckten Hälsen pfauchten sie Flügel schlagend hinter mir her. Machten mich aber nicht hart, sondern verschreckt. Und so mußte ich, ein versonnener Träumer, der diese versonnene Gasse sosehr liebte, während meiner ganzen Kindheit durch sie rennen und in Panik weinend brüllen und schreien.

Noch 1993 schrieb ich in Rotraud Perners Buch "Zeit(t)räume", daß ich nicht gerne stürbe, sondern eher dafür wäre, alle Wissenschaft daran zu setzen, Jahrhunderte lang leben zu können. Doch jetzt, im 98er Jahr, meinem elendsten bisher, bete ich täglich darum, hinweggerafft zu werden. Und sehe im Tod die einzige Erlösung aus der Summe meiner Sale.

Das Grauslichste ist aber nicht, wenn die Erdhaufen auf deinen Sargdeckel plumpsen, sondern wenn das Krankenhauspersonal um drei Uhr morgens mit den Waschlappen kommt und die Türen knallen, um dich ein vielleicht letztes Mal zu wecken. Oder die rührseligen Sterbebegleiter, die aus dir Beinaheleiche noch ein paar Tropfen Erbauung für sich quetschen. Denn wären sie wirkliche Sterbebegleiter, müßten sie in Niedergeschlagenheit versinken. Und elender darniederliegen als der endlich im Sterben Liegende. Indem sie das aber nicht tuen, sondern zum nächsten Sterbebett eilen, können sie nur Bestien sein. Gänse in ihrem Revier.

Oh qualvolles Leben, oh endlose Angst! Oh neuer Generalintendant Weis, schenk deinem Volk wieder nächtelang Club Z(Weis). Zehnte Enzyklika Papst Masochs I., Absterben und Totsein betreffend.


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