Familie SPÖ

Kommentar: Das neue Parteiprogramm bietet statt eines Gegenentwurfs die Eingemeindung von Gegenentwürfen.

Vorwort | Isolde Charim | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

1978 beginnt das Parteiprogramm der SPÖ mit den Worten "Die Sozialisten", um sich dann in einer dramaturgischen Kurve über ein "Sie" zu einem "Wir" zu steigern, das "kämpft" - "leidenschaftlich" und "unverrückbar". Das neue Parteiprogramm der SPÖ hat diese Nostalgie verabschiedet. Hier sind die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten "schrittweise bemüht", sie "streben" und sind einem "Ideal verpflichtet". Statt der rituellen Verbeugung vor den Klassenkampfzeiten findet sich erstmals nur die schlichte Formulierung einer "stolzen Geschichte".

So tritt auch das umstrittenste Moment dieses neuen Parteiprogramms in grundlegend verwandelter Form auf. War die klassenlose Gesellschaft 1978 etwas, das die Sozialisten einfach "wollen" und wofür sie "kämpfen", verwandelt sich die Vorstellung einer gerechten Gesellschaftsordnung 1998 in ein "Ideal" und einen "uralten Menschheitstraum"(!), nach dessen Realisierung man strebt.

Ein Parteiprogramm ist ein politischer Gebrauchstext. Seine Funktion


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