Bedient: Die Illegale

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

Sie will nicht das kleine schwarze Mäd-chen sein, das um seine Rechte und um Mitleid bettelt, sagt Grace. "Aber langsam halte ich es nicht mehr aus." Grace, 31 Jahre alt, Künstlerin, wohnt seit 1981 in Österreich. Sie ist hier zur Schule gegangen, studierte Malerei und Gesang. Sie arbeitete bei diversen Kulturinitiativen der Gemeinde Wien. Als sie sich 1991 - das neue strenge Fremdengesetz trat soeben in Kraft - um ein neues Visum bemühte, wurde es ihr verweigert. Ihr alter Reisepaß, der noch von der kommunistischen CSSR ausgestellt worden war, war abgelaufen. Die zuständige Beamtin der Magistratsabteilung 62 konnte mit dem Dokument nichts anfangen und lehnte die Ausstellung eines Visums ab. Rechtswidrig, wie sich später herausstellte. Doch die schlecht geschulten Beamten waren überfordert. Ein halbes Jahr später, Grace hatte mittlerweile einen neuen Paß, wurde der Visumsantrag erneut abgelehnt. Die kafkaeske Begründung: Grace hätte ihr Ansuchen früher stellen müssen. Die Einreichfrist sei abgelaufen. Auch das Innenministerium verweigerte ein Aufenthaltsrecht. Nun lebt Grace seit sieben Jahren illegal in Wien. Ohne Arbeitserlaubnis. Sie hat bereits 50.000 Schilling an Anwaltskosten und rund 15.000 Schilling Strafe für illegalen Aufenthalt bezahlt. Ihr Visumsbegehren liegt seit drei Jahren beim Verfassungsgerichtshof. "Ich kleide mich unauffällig, um der Polizei nicht mehr aufzufallen", sagt Grace im Wiener Dialekt. Plötzlich fühle sie sich schuldig. Aufgrund eines Fehlers eines Beamten und der Überschreitung einer Frist. Theoretisch kann sie dafür jederzeit in Schubhaft genommen werden.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige