Presseschau

Medien | Andreas Dusl | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

Vor nicht allzulanger Zeit machte der Standard blau. Die gewohnt forellenfiletfarben getönte Zellulose war aus Werbegründen einem schmutzigen Ultramarin von geradezu bestialischer Ungemütlichkeit gewichen. Nicht wenige hielten das für die Kolorierung der nächsten zehn Jahre. Lachsrosa heißt die Farbe des Standard offiziell. Die nomadischen Liberalos unter den Speisefischen sind aber nicht rosa, außen schon gar nicht. Die Farbe des Lachsfleisches ist, wenn schon, dann lachsfarben, und das ähnelt mehr einem speckigen Orange als der Zeitung des Mannes mit der tiefen Stimme. Welcher Fisch dem Standard nun farbnamentlich Pate stehen müßte, darüber streiten Ichthyologen wie Colorberater, Papierforscher wie Sprachwissenschaftler. Makrel, Tonno Fresco, Filet de Sardine und Hechtzungenbraun stehen ganz oben auf ihrer Liste. Auch Pyramidenfarben, Sandocker, Bäsch (die neue Schreibweise des Beigen) sowie das von Kinderbuntstiften bekannte Fleischfarben werden immer wieder ins Spiel gebracht. Warum aber nennen wir das Financial-Times-Rosé des Standard nicht schlicht und simpel standardfarben?


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