Betroffen & getroffen

Oper: In der Volksoper Menottis "Konsul", in der Staatsoper Rossinis "Wilhelm Tell": Kurz vor dem Nationalfeiertag programmierten Wiens große Musiktheater "Freiheitsopern".

Kultur | Jürg Stenzl | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

In der New York Times hat der Komponist Gian Carlo Menotti 1947 eine Notiz gelesen, wonach eine polnische Emigrantin nach der Verweigerung des Einreisevisums in die USA Selbstmord begangen habe. Gerade wer zutiefst betroffen ist, sollte besser kein Opernlibretto und erst recht keine Partitur schreiben. Menotti tat es - und landete mit dem "Konsul" einen Broadway-Hit, mittlerweile in zwanzig Sprachen übersetzt.

Dem Komponisten Menotti sagt man nach, er sei von Giacomo Puccini beeinflußt; doch das sollte man Puccini nicht antun. Nur der Librettist Menotti hat sich bei "Tosca" kräftig bedient - seiner Musik geht meist schnell der Atem aus. Eine Szene auf einen emotionalen Höhepunkt hin zu disponieren ist Menottis Sache nicht; statt dessen wird er einfach sentimental. Daß seine Musik gar das Unterbewußtsein der Figuren zu charakterisieren vermöge, behauptet das Programmheft.

Ob der Volksoperndirektor wirklich gedacht hat, mit diesem Stoff verfüge er über eine "Agnes Bernauer" im Zeitalter


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