Stunts & Cars & Flamingos/"Black Flamingos": Greenaway meets Ganghofer

Kultur | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

Böhm, Robert Böhm, von der Zeitung in Wien, fährt aufs Land, um Nachforschungen für ein Porträt über den unerwartet verstorbenen Bürgermeister der kleinen Gemeinde Leiding anzustellen. Unerwartet, nämlich schwierig, gestaltet sich auch seine Recherche. Das Landvolk begegnet ihm voll Mißtrauen, und bald glaubt sich Böhm einer großangelegten Verschwörung auf der Spur - und er hat recht damit.

"Black Flamingos" ist eine schwarze Komödie, ihr Titel leitet sich von einem Damenkränzchen ab, das bei nächtlichen Seancen in der Friedhofskapelle darüber tagt, wie die Gatten auf amüsanteste Weise aus dem Leben zu befördern seien. Die Powerfrauen, im konkreten Fall: Bauersfrauen, spielen Marianne Mendt, Hilde Rom, Dolly Schmidinger und Ida Krottendorf, ihre unwilligen Opfer Götz Kaufmann, Otto Tausig, Franz Friedrich und Peter Schaunitzer: Ein Ensemble formt sich, mangels Inszenierung, nicht daraus. Dazwischen oder daneben (das wechselt von Szene zu Szene) agiert Sandra Cervik, sozusagen als Love-Interest von Harald Posch, der in seiner "Doppelrolle" (als Drehbuchautor und Darsteller Böhms) mitunter deutlich überfordert scheint.

Regie bei dieser österreichischen Variante von Greenaways "Verschwörung der Frauen" führte Houchang Allahyari, dessen Stärken - wie "Fleischwolf" (1990) und "Höhenangst" (1994) belegen - bei dramatischen Stoffen viel eher zur Geltung kommen als in seinen Komödien. Der neue Film findet zu keinem Rhythmus, die Schauspieler machen, was ihnen an Lustigem gerade so einfällt, und die Wuchteln sind dünn gesät: "Dem Ludwig Ganghofer", ruft einmal der Journalist aus Wien in höchster Verzweiflung, "dem san a paar Figuren auskumma!" Und wieder hat er recht damit.

M. O.

Derzeit im Kino.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige