Kontrollierte Explosion

Musik: Der Erfolg der Jon Spencer Blues Explosion und deren Verweise auf die Herkunft ihrer Musik rückte in den letzten Jahren einige Ausnahmeerscheinungen des Blues neu ins Licht.

Kultur | Karl Fluch | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

Als David "Junior" Kimbrough im Jänner dieses Jahres das Haus des Lebens im Alter von 67 Jahren verlassen mußte, hinterließ er neben 36 Kindern ein nicht minder eindrucksvolles Erbe an Bluesmusik. Eindrucksvoll vor allem in seiner Intensität: Man stelle sich Helmet vor, die, statt ihres skelettierten, kristallinen Metal, Blues aus den Gitarren knüppeln. Kimbroughs Blues ist dreckig. Er ist knochentrocken. Der Baß läßt sich durch nichts von seiner Grundmelodie abbringen. Der Schlagzeuger schlägt stur die Eins und rührt das Hi-Hat. Der Hüne Kimbrough selbst singt, brummt, grinst und besorgt die Gitarrenlicks. Im Sitzen. So geht das minutenlang.

Daraus formt sich ein hypnotischer Sog, in dem kleinste Variationen sowie das intuitiv gesteuerte Auslassen derselben die Aufmerksamkeit des Hörers am Leben erhält. Diese Musik hat nichts zu tun mit geschmeidigem, fingerflinkem Gitarrenschulen-Blues. Sie kommt aus dem Bauch, aus dem eigenen Leben. Sie besitzt Seele und Herz. Sie ist die


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige