Bis aufs Gaumenzäpfchen

Literatur: In seinem grandiosen Roman "Ein amerikanisches Wochenende" bringt uns Rick Moody einen ziemlich unattraktiven Helden ziemlich nahe.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

Amerika, eine Sprachstörung. Stotterer haben ihren großen Auftritt in den great American novels der Saison. Nach Merry, die in Philip Roths "Amerikanischem Idyll" ihrem Vater Seymour Levov das Leben zur Hölle macht, soll nun Hex Raitliffe in Rick Moodys "Ein amerikanisches Wochenende" seine schwerkranke Mutter töten - auf deren ausdrücklichen Wunsch hin. Der beleibte Enddreißiger ist besessen von Konsonanten, besonders wenn er sich potentiellen Sexualpartnerinnen gegenübersieht, und es gibt nur ein Mittel, der nervtötenden Artikulationsstörung einigermaßen Herr zu werden: "T-t-t-trinken. In Maßen."

Letzteres ist gelogen. Hex ist Alkoholiker und vermutlich ein ähnlich unattraktiver Zeitgenosse wie Levovos verfettete und verwahrloste Terroristen-Tochter. Sein auffälligster Vorzug gegenüber dieser besteht darin, daß er in dem entschieden besseren Roman vorkommt.

In seinem zweiten, von Ang Lee kongenial verfilmten Roman, hatte Moody sich einer Archäologie der siebziger Jahre gewidmet,


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