Im Schwitzkasten/Interview: Saunawürstel

Kultur | aus FALTER 45/98 vom 04.11.1998

Tom Grönberg ist seit dem 10. Oktober Finnlands Botschafter in Österreich. In der Botschaft selbst gibt es keine Sauna, dafür allerdings in der Residenz. Mit dem Falter sprach er über die Unterschiede zwischen finnischen und österreichischen Saunas, über Geschlechtertrennung und Würstel am Saunaofen.

Falter: Stimmt es, daß in Finnland jedes Hotelzimmer eine eigene Sauna hat?

Tom Grönberg: Das gilt eigentlich nur für die Suiten. Aber man sagt, daß jedes finnische Haus eine Sauna hat. In Finnland gehen nur Familien gemeinsam in die Sauna. Sonst bleiben Frauen und Männer getrennt. Während der fünziger und sechziger Jahre sagte man, daß die politischen Beschlüsse in den Saunas getroffen wurden. Das hat sich geändert, seit die Regierung einen Frauenanteil von rund 30-40 Prozent hat.

Wie ist die finnische Sauna im Vergleich zur österreichischen? Hier sind die Regeln sehr streng, was Aufguß und Aufenthaltsdauer anbelangt. Wer zur falschen Zeit die Tür öffnet, muß mit seiner augenblicklichen Erschießung rechnen.

Bei uns gibt es keine Regeln. Man bleibt solange in der Saunakammer, solange man sich wohl fühlt. Die Sauna war immer ein Ritual zur Entspannung. Sie sollte mindestens 80 Grad haben. Es gibt ja auch Menschen, die auf 100, 120 Grad aufheizen, aber das finde ich zuviel. Ich finde es auch angenehmer, wenn die Sauna schon von Anfang an ein wenig feucht ist.

Muß immer ein Aufguß gemacht werden?

Wie man sich fühlt. Je mehr Regeln es gibt, desto schwieriger ist es, sich wohl zu fühlen. Denn dann kann es passieren, daß man sich mehr nach den Regeln orientiert als nach dem eigenen Gefühl.

Stimmt es, daß in finnischen Saunas sogar Würstel gegessen werden?

Nein, nicht gegessen, aber gewärmt. Manche machen das, aber ich finde das nicht so gut. Man will sich ja in der Sauna reinigen und nicht gleich wieder den Geruch von den Würsteln am Körper haben.


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