Liebe Leserin, Lieber Leser!

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 46/98 vom 11.11.1998

Nüchtern sagt, das muß man cool spielen. Understatement, weißt du. Er hat so eine Art, dabei die Schultern hochzuziehen, den Oberkörper zu verschrauben und die vorgestreckten Handflächen hin- und herzudrehen, daß es ihm nicht einmal ich abnehme.

Deswegen erlaube ich mir in aller Form an dieser Stelle ein kleines Geheul. Schließlich erkennt man daran in Amerika den Untergrunddichter, in Afrika die Hyäne und in Österreich den Chefredakteur, den Herausgeber oder deren Personalunion. "Uuuuuu- aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhh!" Das war jetzt ich.

Klaus Nüchtern blickt pikiert zur Seite. Zum Protestieren hat er keine Zeit, denn er redigiert gerade jenes Streitgespräch, das er soeben moderiert hat und das manch andere gerne auch gehabt hätten. Das Wiener Journal, der Samstag, die Furche, die aufstrebenden Journalisten von News und die Paarläufer von Format und profil haben, obwohl sie sich - Ehre, wem Ehre gebührt - mächtig ins Zeug legten, das Nachlesen (Seite 22). Nüchtern hat sich einfach mehr bemüht.

Die Rede ist vom lang erwarteten Streitgespräch zwischen Karl Markus Gauß und Bogdan Roscic', mit dem die Affäre vom Bezirksgericht dorthin zurückkehrt, wo sie hingehört, in den Kulturteil. Und zwar exklusiv in den Falter-Kulturteil. Krffz. Was das war? Ach, nichts. Nur das Geräusch, wenn Wolfgang Fellner ins Resopal beißt.

Auch sonst freuen wir uns mit Ihnen über ein echtes Wiener Heft, vom süßen Mythos Manner Schnitte (Seite 76) bis zum bitteren neuen Asylrecht (Seite 16). Dazwischen liegt das eher Saure als Süßsaure, das der Polizist dem Chinesen gibt (Seite 13). Übersehen Sie keinesfalls Wolfgang Kraliceks Emmy-Werner-Interview (Seite 70)!

Eine Füllung hat der Falter auch. Die von Klaus Taschwer redigierte Wissenschaftsbeilage heureka!, in der Oliver Hochadel das erste Interview in einer deutschsprachigen Publikation mit Alan Sokal führte, jenem Mann, der postmodernistische Phrasendrescher aufs Kreuz legte und damit einen "Wissenschaftskrieg" auslöste.


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