Pinochet, globalisiert

Kommentar: Die Debatte um den chilenischen Diktator zeigt die Globalisierung herrschender Ideen von Moral, Gerechtigkeit und Justiz.

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 46/98 vom 11.11.1998

Die chilenische Politik ist voll der Paradoxe: Im regierenden Mitte-Links-Kabinett dominieren ehemalige Lagerinsassen und Exilanten. Der christdemokratische Präsident Eduardo Frei ist Sohn des gleichnamigen früheren Staatschefs, der mit seiner ganzen Familie von Augusto Pinochet aus dem Land vertrieben worden war. Aber kaum durchquert man ein Kasernentor, ist man in einer anderen Welt: Hier herrscht faschistischer Korpsgeist, kaum angekränkelt von den demokratischen Ideen der Zeit. Mühsam versuchen US-amerikanische Instruktoren, den chilenischen Kollegen Respekt vor genau jener zivilen Staatsmacht schmackhaft zu machen, an deren Zerstörung ihre Vorgänger vor 25 Jahren so führend beteiligt waren. Augusto Pinochet, bis vor kurzem noch oberster Armeechef, hängt in allen Amtsstuben des Militärs. Ungeniert bekennt sich das chilenische Offizierskorps zur blutigen Unterdrückung der siebziger und achtziger Jahre: Die Streitkräfte hätten damals das Land vor Chaos und Zerfall


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