Christlicher Antisemitismus?

Kirche: Am 9. November jährte sich die sogenannte "Reichskristallnacht" zum sechzigsten Mal. Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl sprach mit dem "Falter" über Judenfeindlichkeit in der Kirche, skandalöse Messen in der Karlskirche und den Segen der Aufklärung.

Politik | Karl Pfeifer | aus FALTER 46/98 vom 11.11.1998

Mehr als fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Rolle der katholischen Kirche während der Herrschaft der Nationalsozialisten noch immer umstritten. Die Vorwürfe an die Kirche reichen von stiller Akzeptanz des Holocaust bis zur Kollaboration mit dem Dritten Reich. Das Verhältnis Judentum und Christentum ist bis heute nicht spannungsfrei. Antisemitische Töne in der Kirche klingen noch immer an - vor allem bei der alljährlichen Messe zur Mariae-Namen-Feier in der Wiener Karlskirche. Helmut Krätzl, seit 1977 Weihbischof in Wien, hat dafür kein Verständnis.

Falter: Herr Weihbischof, wie kann es sein, daß in der katholischen Kirche noch heute der Militärpfarrer Siegfried Lochner predigen kann: "Die asiatischen Horden stehen nicht mehr, wie 1683, vor den Toren Wiens, heute leben sie mitten unter uns. Die Bedrohung des Jahres 1998 ist deshalb umso gefährlicher und todbringender."

Helmut Krätzl: Dieser für mich skandalöse Fall hat sich in der Wiener Karlskirche abgespielt,


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