Phettbergs Predigtdienst: Inbrunst und Herrschaft

Soll sein, daß ich bau' in der Luft meine Schlösser Soll sein, daß mein Gott ist im ganzen nicht da Im Traum ist mir heller, im Traum ist mir besser Im Traum ist der Himmel noch blauer als blau Soll sein, daß ich werd' mein Ziel nicht erreichen Soll sein, daß mein Schiff wird nicht kommen zum Steg ,S geht mir nicht darum, ich soll was erreichen ,S geht mir um den Gang auf einem sonnigen Weg. Jossi Papiernikov

Stadtleben | aus FALTER 46/98 vom 11.11.1998

Meine Mundhöhle ist meine Heimat. Ihr scheißlicher heißer Hauch jagt mir in das Nasenloch, und ich denke kurz ans Zähneputzen. Doch es stinkt ja alles: Der Raum zwischen den Fingernägeln und ihren Kuppen berauscht mich, der Schritt treibt mich in Ekstase, die elendslangen Haare stinken, aus dem Nabel rinnt es ekelig und gelb. Ich habe keine andere Heimat als mich Gärtlein, überwuchert von den Düften und bewässert von den Säften. Ich bin bezaubert von mir.

Wie aber soll nun ein Kardinal Schön(!)born (!) dieses Image erlangen, um Gott zu flehen wie ein Besessener, und gleichzeitig Kirchenfürst sein? Das ist sein schwerer Spagat: Inbrunst und Herrschaft. Trotz so großer Komiker wie Farkas, Haipl, Hader oder Grissemann bestehe ich weiterhin auf die Formel, daß es nur unfreiwillige Komik gibt. Sie können sich beide Haxen ausreißen und können nicht unkomisch sein. Genauso ist es um die Priester bestellt: Es kann nur unfreiwillige Priester geben. Wir schlittern in unser Priesteramt hinein, ob wir nun Priester sind oder nicht. Ich glaube schon, daß Schönborn das Zeug zum unfreiwilligen Priestertum hat, doch er wird sich preisgeben müssen. Die Kontrolle über sich auf den Altar tragen wie Paul VI. die Tiara. Erst wenn wir seine Blöße sehen, werden wir ihm glauben. Seine Unsicherheit. Seinen Zweifel an diesem Scheißgott. Dann löst sich die Frage, Progressling oder Konservling, auf wie nichts. Seht, wie er leidet, werden die Leute sagen. Auch über Kanzler und so. Seht, wie sie leiden, wie sie verzweifelt ringen, werden sie sagen und werden nähertreten. Zwölfte (und vorletzte) Enzyklika Papst Masochs I., Konservativität und Progressivität betreffend.


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