Standpunkt: Sonntagseinkauf

Politik | aus FALTER 47/98 vom 18.11.1998

Habemus Shoppingkrieg. Wieder einmal. Alle Jahre wieder, knapp vor dem Weihnachtstrubel, tritt die Gewerkschaft auf und fordert, Geschäfte an Sonntagen per Gesetz zum Herunterlassen der Rollbalken zu verdonnern. Alles im Sinne der Arbeitnehmer und deren Familien selbstverständlich. Und alle Jahre wieder bricht dann die mehr oder minder große Debatte um den "Bedarf" nach an Feiertagen geöffneten Geschäften aus. Sicher: Für eine Alleinerzieherin ist es nicht lustig, am Sonntag zum Kassahackeln verurteilt zu werden. Bloß: Das geht ohnehin nicht. Und gleichzeitig ist es auch für ganz normale Dienstnehmer im Zuge geänderter Arbeitszeiten nicht immer leicht, just zu den Zeiten zu shoppen, die der Gewerkschaft genehm sind. "Bedarf" nach Liberalisierung ist zweifellos vorhanden: Wie sonst wären die Warteschlangen, die sich sonntags sogar vor (!) den Bahnhofs-Billas bilden (die über die hinkende "Reiseproviant"-Klausel öffnen dürfen), zu erklären? Die, die derzeit offen halten, wären die ersten, die der selbstregulierenden Dynamik des Marktes gehorchen würden. Und ohne Bedarf hätte wohl auch keine Bank Automaten-Foyers eingeführt - Menschen wären dennoch sympathischer. Wieso in Österreich nicht funktionieren dürfen soll, was europa- und weltweit selbstverständlich ist, erklärt die Gewerkschaft niemandem. T.R.


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