Bedient: Richterspruch:

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 47/98 vom 18.11.1998

"Ich sage Ihnen gleich, daß Sie gegen die Aussage von drei Polizisten keine Chance haben. Sie wurden geduzt und beschweren sich? Daran sieht man ja, daß Sie ein Querulant sind. Wir kennen das ja, alle unsere Gäste beschimpfen uns als Nazis, Faschisten und Ausländerhasser, obwohl es ja in Ihren Ländern viel ärger zugeht. Es ist nicht ungewöhnlich, von der Polizei im Keller ausgezogen und rektal untersucht zu werden. Wenn man bei der Polizei ist, hält man am besten den Mund und wartet, bis es vorbei ist. Das ist überall auf der Welt so, sicher auch in ihrem Heimatland. Dort ist es ja auch nicht besser! Hier in Österreich können Sie nicht sofort nach einem Anwalt verlangen, Herr Angeklagter. Wir sind hier doch nicht in Amerika! In Wirklichkeit haben Sie die Festnahme durch die Polizei gesucht! Beschwert haben Sie sich? Mir ist bekannt, daß die Verteidigerin irgendeine Beschwerde bei der Polizei eingelegt hat. Das soll uns hier nicht interessieren! (Zu den Polizisten:) Stellen Sie sich vor, die Verteidigerin geht sogar so weit, daß sie behauptet, die gesamte Amtshandlung sei nicht gerechtfertigt gewesen. Stellen Sie sich das vor! (Zur Verteidigerin:) Sie wollen einen Zeugen beantragen? Gut, beantragen Sie einen Zeugen, aber ich weiß nicht, ob das etwas bringt! (Zur Polizei:) Schaun 'S ich sag' Ihnen, worum es der Verteidigerin geht: Die Anwältin zielt mit ihren Fragen darauf ab, daß es sich um eine rechtswidrige Festnahme handelt! Die Verhandlung wird auf den 1. Dezember 1998, 9 Uhr 40, Landesgericht für Strafsachen, Saal 311, vertagt." Sie ist öffentlich.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige